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Monsterland (2008) - Doku - Horror - Stream - Deutsch


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Beschreibung des Materials:

Dokumentaion von Jörg Buttgereit aus dem Jahr 2008

MONSTERLAND

Frankenstein, der Werwolf, King Kong, Godzilla - all diese Schreckgestalten scheinen uns auf unheimliche Weise vertraut. Denn in die Monstren wird projiziert, was wir uns selbst nicht erlauben und uns als verbotenen Wunsch nicht eingestehen dürfen. Was bedeuten und personifizieren die Monster für uns? Brauchen wir diese Biester gar für unser Seelenheil?

In „Monsterland“ reist Jörg Buttgereit in die weite Welt hinaus zu den Schöpfern der Monster, um mit ihnen gemeinsam dem Schrecken, der Faszination und der Liebe zu den Monstern zu erkunden.

In Los Angeles spricht Buttgereit mit Hollywoods berühmtesten Maskenbildner Rick Baker, der in der "King Kong"-Verfilmung von 1976 den Riesengorilla verkörpert hat und dem ausgewiesenen Monster-Kenner Joe Dante, Regisseur des Kassenknüllers „Die Gremlins“. In einem der vielen Filmpaläste in Los Angeles trifft er auf den amerikanischen Horror-Regisseur John Carpenter. In seinen Filmen lauert das Böse im Verborgenen und sogar im Menschen selbst. Die Neuverfilmung „The Thing“ wurde zu einem der beunruhigendsten Monsterfilme. In „Halloween“ hat er mit dem stummen maskierten Killer Michael Myers den Prototyp des Monsters in Menschengestalt geschaffen. Carpenter ist ein Intellektueller, der sich und das Genre in Frage stellt.

In New York besucht er den exzentrischen Maler Joe Coleman in seinem mit Monster- und Mörder-Devotionalien vollgestopften Atelier. Joe Coleman verewigt in seinen an Hieronymus Bosch erinnenden Gemälden Serienmörder, Freaks und Mutationen. Für Monate dringt Coleman beim Malen in die Psyche menschlicher Monster wie Ed Gein ein, der das reale Vorbild für die mythisch überhöhten Killer aus „Psycho“, „Silence Of The Lambs“ oder „Texas Chainsaw Massacre“ ist.

Die monströsen femininen Schöpfungen aus den amerikanischen Blockbustern „Alien“ und „Species“ stammen von dem schweizer Künstler H. R.Giger. Der Maler und Designer ist bekannt für seine düsteren Airbrush-Bilder und hat mit seinen weiblichen Alptraum-kreaturen das Erscheinungsbild der Monster seit den 80er Jahren maßgeblich beeinflusst hat.

Ob Aliens oder Zombies, Serienmörder oder Urzeitwesen, der amerikanische Spezial-Effekt-Guru Gregory Nicotero hat sie alle schon auf die Leinwand gezaubert. Im digitalen Zeitalter ist Nicotero einer der letzten Fachmänner für Spezial-Effekte und “handgemachte” Monster, die eben nicht im Computer animiert werden. Er hat für alle bedeutenden Regisseure des Genres (Carpenter, Romero, Tarantino) gearbeitet und ist vielleicht so etwas wie ein moderner Doktor Frankenstein.

Anders als im Illusionskino Hollywoods hat sich der japanische Monsterfilm seine artifizielle Ästhetik bis heute bewahrt. In Tokio trifft Buttgereit den Schauspieler Kenpachiro Satsuma der seit den 70er Jahren in unzähligen Monsterfilmen die Riesenechse Godzilla und andere Kaiju ( = japanische Riesenmonster) dargestellt hat. Er war es, der eingeschlossen in ein klaustrophobisches Latex-Kostum in Miniaturstädten wütete und Godzilla eine menschliche Note verlieh. Teruyoshi Nakano war seit den frühen 70er Jahren Regisseur der Monsterszenen bei der Produktionsfirma Toho. Nakano steht für die traditionelle japanische Art der Monsterdarstellung (Suitmation) und wird über die durchaus gewollte Künstlichkeit der asiatischen Monsterfilme berichten.

Der Filmemacher Shinya Tsukamoto ist zwar auch mit Godzilla-Filmen aufgewachsen, doch mit seinem wilden „Splatter-Punk“-Filmen „Tesuo – The Iron Man“ oder „Tokyo Fist“ ist er der moderne Gegenpol zu Satzuma und Nakano. Mit seinen Body-Horror-Filmen ist er regelmäßig auf internationalen Festivals wie Cannes vertreten und repräsentiert das heutige Japan. Seine Monster sind nicht so gigantisch wie Godzilla + Co. Es sind verletzliche Mutationen und Maschinenmenschen die unter den Beton- und Stahlriesen Tokios hervor kriechen.

Als Experte für japanische Monster stellt Buttgereit den Amerikaner Paul Gavins vor, der regelmäßig auf Monster Conventions seine selbst gefertigten Monsterkostüme vorstellt. Er lebt aus, wovon viele Fans nur träumen: er schlüpft in Monsterkostüme und wird so zum umjubelten Mon-Star.

(arte-Pressetext)
Interview

Wie kamst Du auf die Idee für deine Dokumentation?

JB: Ich bin seit frühester Kindheit ein absoluter Monster-Fan. Mit 4 Jahren habe ich meinen ersten Godzilla Film gesehen und war schwer beeindruckt. Wer mein Buch JAPAN – DIE MONSTERINSEL kennt, weiß, dass ich im deutschsprachigen Raum einen gewissen Expertenstatus zum Thema Monsterfilm genieße. Als mir die arte-Redakteurin Kathrin Brinkmann von einem geplanten Monster-Themenabend erzählte, war ich sofort Feuer und Flamme. Das wollte ich unbedingt machen. Ich wollte raus finden, ob meine geliebten Monsterfilme heutzutage überhaupt noch Relevanz haben oder ob ich mit inzwischen 45 Jahren schon ein hoffnungsloser Nostalgiker bin. Außerdem wollte ich natürlich auch mal meine angehimmelten Monstermacher persönlich treffen.

Wie hast Du denn all diese Hochkaräter überzeugen können, ihre Kommentare in MONSTERLAND abzugeben?

JB: So ein Mammutprojekt wie MONSTERLAND ist natürlich eine logistische Herausforderung. Ich habe mich deshalb an die Berliner Produktionsfirma Avanti Media gewandt, für die ich als Regisseur schon einige Folgen der arte-Serie DURCH DIE NACHT MIT... gemacht hatte. Die Produzentin Edda Baumann Von Broen war zum Glück von dem internationalen Potenzial des Projektes überzeugt. Avanti hatte ja für DURCH DIE NACHT... schon mit Leuten wie John Carpenter und Joe Coleman gedreht. Durch meine WDR-Dokumentation DIE MONSTERINSEL aus dem Jahr 2002 hatte ich zudem viele Kontakte zu japanischen Monstermachern. Aber leicht war es natürlich nicht, solche internationalen Top-Leute für ein Projekt zu begeistern. Wer von den Amis kümmert sich schon um einen Dokumentarfilmer aus Deutschland? Doch es ist erstaunlich, wie viele der Interviewpartner meinen Film NEKROMANTIK kannten. Das hat wohl auch etwas geholfen. Man darf ja nicht vergessen, dass viele Regisseure und FX-Leute auch Filmfans wie du und ich sind.

Hast Du alle deine Wunschkanditaten vor die Kamera bekommen?

JB: Fast alle. Nur Peter Jackson, mit dem ich gerne über KING KONG gesprochen hätte, hat uns aus Zeitmangel einen Korb geben müssen. Man darf auch nicht vergessen, dass viele der Monstermacher zwar begnadete Künstler sind, aber nicht jeder kann und will vor laufender Kamera über Monster philosophieren.

Wieviele Kilometer bist Du denn geflogen... das war ja praktisch eine Weltreise?

JB: Wir waren In Tokio, New York, Los Angeles, Chicago, London und Zürich. Da kommen schon ein paar Kilometerchen zusammen. Aber mir war ja wichtig, auch diese monströsen Großstädte im Film zu haben. Ich wollte die verschiedenen Umfelder, in dem die unterschiedlichsten Monster gedeihen können, einfangen.

Ist es nicht schade, dass MONSTERLAND nach der ganzen Mühe nur im TV nachts bei arte ausgestrahlt wird. Meinst Du, die Doku könnte auch mal als Bonus einer DVD zu sehen sein?

JB: Also ich bin ja sehr froh, dass es innovative Sender wie arte gibt, die eine so ausführliche Doku wie MONSTERLAND in einem angemessenen Rahmen zeigen. Bei den Privatsendern wäre so ein Projekt kaum möglich und durch Werbeunterbrechungen verstümmelt. Der Film wird aber auch in anderen Ländern wie Frankreich, Finnland, Schweden und Holland zu sehen sein. Über eine DVD-Auswertung würde ich mich natürlich auch freuen.

(Deadline, März 2009)

Stabangaben:

Mit:
John Carpenter, Greg Nicotero, Rick Baker, Joe Dante, Teruyoshi Nakano, Kenpachiro Satsuma, John D. Lees, Paul Gavins, H.R. Giger, Shinya Tsukamoto, Joe Coleman, Minoru Kawasaki, Ryu Hariken, Kim Newman

Buch: Jörg Buttgereit, Anne Gensior
Regie: Jörg Buttgereit
Kamera: Chris Rowe, Boris Fromageot
Super 8: Jörg Buttgereit
Ton: Moritz Hömberg, Jan Wichers
Musik: André Abshagen
Sound Design: Jan Hufenbach
Mischung: Jörn Steinhoff
Schnitt: Michaela Stasch, Martin Eberle
Produzentin: Edda Baumann-von Broen
Producer: Robert Kreuzaler
Production Coordinators: Dagmar Boguslawski, Dorit Bundesmann, Jasper Mielke
Aufnahmeleitung Los Angeles: David E. Williams
Aufnahmeleitung Tokio: Akiko Fujino, Susanne Steffen
Redaktion ZDF/ Arte: Kathrin Brinkmann
Produktion: Avanti Media, 2008, 81 min.

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