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Pat Garrett jagt Billy the Kid (1973)

Beschreibung des Materials:

Pat Garrett jagt Billy the Kid (1973)

Berüchtigt und gefürchtet: Billy the Kid und Pat Garrett. Sie kämpfen Seite an Seite.
Gejagt und verfolgt waren sie die besten Freunde. Und jetzt sind sie die ärgsten Feinde. Pat steht auf der anderen Seite des Gesetzes. Als Sheriff kämpft Pat nun für das Gesetz und gegen Billy.....

Alternativtitel:
Pat Garret jagt Billy the Kid
Pat Garrett and Billy the Kid
Pat Garrett und Billy the Kid

Originaltitel: Pat Garrett & Billy the Kid
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1973
Regie: Sam Peckinpah

Darsteller:
James Coburn
Kris Kristofferson
Bob Dylan
Richard Jaeckel
Katy Jurado
Chill Wills
Jason Robards
R.G. Armstrong
Luke Askew
John Beck
Richard Bright
Matt Clark

Kommentare insgesamt: 7
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1 berggeist1963 • 12:57 PM, 2019-02-27
Ich halte Kristofferson hier eher für fehlbesetzt. Mit 36 Jahren war er halt rein optisch schon zu alt, um den 21-jährigen Billy zu geben. Die Statur passt auch nicht wirklich. Da kam Emilio Estevez in den beiden "Young Guns"-Filmen dem "echten" Billy optisch schon deutlich näher.  unsure  Ansonsten habe ich am Film als solches nix weiter zu meckern.  smok
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2 berggeist1963 • 1:28 PM, 2019-02-27
Vorsicht, Klugscheißeralarm!  biggrin 

Henry McCarty, spätere Pseudonyme William H. Bonney, Henry Antrim, Kid Antrim und schließlich Billy The Kid. Geboren 1859 oder 1860 in New York oder in Indiana. Wie man sieht, nix Genaues weiß man nicht. Das Wenige, was man heute weiß oder zu wissen glaubt, beruht auf Aussagen und Aufzeichnungen von Zeitgenossen, die den "echten" Billy persönlich gekannt haben. Allzu viel gibt es davon allerdings nicht. Die Biographie "The authentic life of Billy The Kid" aus dem Jahr 1882, verfasst von Pat Garrett höchstselbst, ist eher ungeeignet, da sie bereits viel Erfundenes enthält, um Billy als "üblen Burschen" zu zeichnen. Garrett selbst stellt sich zudem in diesem Werk als positiven Helden dar, der er nun aber in Wahrheit auch nicht gerade war. 

Fakten u. Fiktion, Teil 1: Der kleine Henry bzw. spätere Billy hat seine Mutter Catherine abgöttisch geliebt. Als diese 1874 in Silver City/New Mexico an Tuberkulose starb, könnte Billy davon so eine Art "seelischen Knacks" davon getragen haben. Er zog ab da kreuz und quer durch den Südwesten und auch nach Mexiko. Dabei traf er auch auf einige zwielichtige Gestalten, mit denen er später im sog. Lincoln County-Krieg erneut entweder als Freunde oder auch als Gegner zu tun hatte. Er soll auf seinen unsteten Wanderjahren zudem ein großes Talent für das Kartenspielen entwickelt haben.

Irgendwo hat er auf einem dieser Streifzüge auch Pat Garrett kennen gelernt. Freunde allerdings wurden und waren die beiden entgegen den filmischen Darstellungen hingegen nicht. Man kannte sich halt, das war´s.

Billy galt allgemein als hilfsbereit und "treue Seele", dazu als "ehrliche Haut". Er hatte ein fröhliches Naturell, sang gern (und das wohl gar nicht mal so schlecht) und war ein guter Tänzer. Er sprach fließend spanisch und war gegenüber den mexikanischstämmigen "Alteingesessenen" stets freundlich. Bei den "Senoritas", aber auch bei allen anderen "Hispanics", hatte er darum einen großen Stein im Brett. Das kam ihm später zugute, da er auf der Flucht bei den "Mexikanern" immer wieder Unterschlupf fand. 

Als von Billy getötete Personen gelten 4 als gesichert. Wahrscheinlich sind 7 - 9. Die 21 Opfer (pro Lebensjahr eines) sind eine angedichtete Legende. Klingt halt irgendwie "romantischer". 

Fortsetzung folgt
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3 ferrara77 • 4:23 PM, 2019-02-27
Interessante Fakten Berggeist. Vielen Dank smile

Für die Role des Billy hatte Peckinpah erst Bo Hopkins vorgesehen, aber das Studio wollte ein bekannteres Gesicht und so kam er auf Kris Kristofferson. Der war wieder ein guter Freund von Bob Dylan und so kam er zu dem Film.
Auch Dylans berühmtester Song stammt (ursprünglich) aus diesem Film und nicht aus dem Schweiger Film und der Version von Selig.
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4 berggeist1963 • 5:25 PM, 2019-02-27
Fortsetzung - der "Faktencheck" ist ja noch nicht beendet  biggrin :

John Henry Tunstall wird in Filmen überwiegend als älterer englischer Gentleman dargestellt, gern auch mal etwas "spleenig". In Wirklichkeit war er bei seiner Ermordung erst 24 Jahre alt. Drei Wochen vor seinem 25.Geburtstag wurde er von einem Aufgebot unter Sheriff Brady "auftragsgemäß" zusammen geschossen.Die Gelehrten streiten sich heute noch, ob Tunstall dabei nun tatsächlich unbewaffnet gewesen sei, wie es in den Filmen so gezeigt wird, oder doch nicht. Als Rancharbeiter beschäftigte Tunstall bevorzugt junge Herumtreiber, was manche Historiker zu der Vermutung veranlasste, er sei homosexuell gewesen. Einige glauben auch, dass er mit Billy eine homoerotische Beziehung unterhalten habe. Aber auch hierbei ist alles nur reine Spekulation.

Jedenfalls ging Billy aus eben dieser zuvor erwähnten "Treue" bzw. Loyalität zu Tunstall als seinem Arbeitgeber anschließend auf Rachefeldzug. Das er dabei nur ein Spielstein und "nützlicher Idiot" auf dem Schachbrett des als Lincoln County War bezeichneten Kampfes um wirtschaftliche Interessen war, hat er nie erkannt. Dafür war er wohl zu naiv und sich dem um diese Zeit bereits nicht mehr allgemein gültigen "Ehrenkodex des Westens" zu stark verpflichtet fühlend.

Zum Lincoln County War gibt es Ausführliches bei Wikipedia: https://u.to/KnXJFA

Vor seiner Zeit bei Tunstall arbeitete Billy für John Simpson Chisum. Chisum ging mit Tunstall und dem Anwalt Alexander McSween eine geschäftliche Partnerschaft ein, um mittels Eröffnung eigener Geschäfte und Banken dem mächtigen "Santa Fe Ring" Konkurrenz zu machen. Der "Ring" war fast so was wie eine mafiaähnliche Organisation. Dieser "Ring" war von Iren dominiert und hatte zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Justiz und Militär in finanzielle Abhängigkeit von sich gebracht, dazu wurde eifrig "geschmiert". Selbst der Gouverneur von New Mexico sowie Politiker in Washington standen auf der "Gehaltsliste". Somit konnte "The Ring" im Lincoln County nach Belieben frei schalten und walten. Im Gegensatz zu den flimischen Darstellungen starb Lawrence G. Murphy, der "Oberboss", im Oktober 1878 an Magenkrebs und kam eben nicht infolge einer wüsten Prügelei mit Chisum ums Leben ("Chisum" von Andrew V. McLaglen aus dem Jahr 1970) und wurde auch nicht von Billy erschossen ("Young Guns", 1988).

Chisum verlor nach den gewaltsamen Toden von Tunstall und McSween schnell das Interesse an Geschäften im Lincoln County. Billy und Co. wurden von ihm fallen gelassen wie heiße Kartoffeln, er selbst überließ seine Ranch seinen Brüdern und zog nach Arkansas. Chisum trug übrigens auch nie einen Revolver. Er bevorzugte stets ein Gewehr. Die in Filmen gezeigte Großmütigkeit Chisums gegenüber Kleinranchern und Siedlern war auch nur Mittel zum Zweck. Im Grunde waren die ihm sch...egal, er brauchte halt auch sie als "nützliche Idioten". Was aus ihnen wurde, als er sich zurück zog, interessierte Chisum nicht mehr die Bohne.
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5 berggeist1963 • 5:38 PM, 2019-02-27
Schluss:

Die große Frage lautet nun: Wer oder was war Billy wirklich? Ein skrupelloser psychopathischer Killer, wie die einen meinen? Oder ein mehr oder weniger zufällig in eine Sache, die für ihn mehrere Nummern zu groß war,  reingestolperter naiver junger Bursche? Vielleicht kommt der von Emilio Estevez in den beiden "Young Guns"-Filmen dargestellte "Billy" dem Original am nächsten: Jugendlicher Übermut, gepaart mit Rachsucht aus "ehrenwerten Motiven", der das Ganze wie eine Art Spiel betrachtet. Aber wie so oft wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Wir haben den wahren Billy nie leibhaftig gesehen, nicht mit ihm gesprochen, gearbeitet, gefeiert und gekämpft. Von daher bleibt halt alles auch hier einfach nur reine Spekulation.

Wäre er nach seiner Rache an Brady einfach abgehauen und z.B. nach Mexiko gegangen - er wäre wohl nur eine kleine Randfigur geblieben. Erst die nachfolgenden Ereignisse ließen ihn zur Legende werden. Die Zutaten dafür waren nach Billys Ableben ja schnell gemixt: Jung, "rebellisch", von allen Seiten gehetzt, schmählich im Stich gelassen und dann auch noch vom (angeblich) besten Freund hinterhältig gemeuchelt. Das ist der Stoff, aus dem Legenden nun mal gewoben werden. Wäre z.B. James Dean nicht so jung tödlich verunglückt, er wäre wohl auch nie zu der Legende geworden, die er für viele Filmfreunde heute ist.

Ich habe fertig.  biggrin   prof   blahblah
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6 berggeist1963 • 5:49 PM, 2019-02-27
ferrara 77, danke für die Info mit Bo Hopkins! Als weitere Fehlbesetzung für die Rolle des "Billy" gilt Robert Taylor, der ihn 1941 in "Der letzte Bandit" verkörperte.
In Arthur Penns "Einer muss dran glauben" (1958) hingegen gibt Paul Newman den "Billy" als "unbedarftes und in sich gekehrtes Opfer" (Phil Hardy).
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7 ferrara77 • 7:30 PM, 2019-02-27
1 Stunde 45 MInuten und 27 Sekunden sieht man Sam Peckinpah höchstpersönlich... er ist der Sargmacher ...

ich würde sagen bei Billy the Kid ist es heute wie früher... die eine Seite wünscht(e) ihn den Tod und für die andere Seite war er der Gute und beide Seiten verbiegen sich die Geschichte so wie sie es für richtig empfindet, UM eine gute Geschichte zu erzählen ... So ist es, so war, und so wird es immer sein ...
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