Hauptseite » Video » Western (Allgemein)

Tombstone (1993)

Beschreibung des Materials:

Tombstone (1993)

Dem ehemaligen Gesetzeshüter Wyatt Earp eilt ein Ruf voraus, als er sich zusammen mit seinen beiden Brüdern und den Ehefrauen im aufstrebenden Silberminen-Städtchen Tombstone niederlässt. Ursprünglich wollten die Gebrüder Earp nichts mehr von den gefährlichen Pflichten als Gesetzeshüter wissen, doch der resolute und rechtschaffende Wyatt gerät schnell in Konflikt mit den "Cowboys", einer angsteinflößenden Gruppierung von Outlaws. Das Drama nimmt seinen Lauf und zusammen mit Wyatts Freund, dem legendären Revolverhelden Doc Holliday, stellen sie sich schließlich der Übermacht. Tombstone wird ein entscheidendes Kapitel im Leben von Wyatt Earp darstellen, was er so nie erwartet hat...

Originaltitel: Tombstone
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1993
Regie: George P. Cosmatos

Darsteller:
Kurt Russell
Val Kilmer
Sam Elliott
Bill Paxton
Powers Boothe
Michael Biehn
Charlton Heston
Jason Priestley
Jon Tenney
Stephen Lang
Thomas Haden Church
Dana Delany

Kommentare insgesamt: 5
avatar
0 Spam
1 berggeist1963 • 2:01 PM, 2019-03-26
Auha, da könnte ich mich jetzt mal wieder seitenlang über Fakten und Fiktion auslassen. Ich lasse das aber wohl besser bleiben. Oder dann doch nicht? biggrin  Wyatt Earp war jedenfalls nicht der aufrechte Streiter für Recht und Gesetz, als der er uns im Film und in TV-Serien immer präsentiert wurde. Immer wieder mal beging er die eine oder andere Ordnungswidrigkeit und Straftat wie z.b. Pferdediebstahl.

Er war dann auch lediglich Hilfspolizist in Wichita u. Dodge City und das nur relativ kurz. In Tombstone wurde er dann von seinem Bruder Virgil, der den städtischen Marshalposten innehatte, zum Deputy-Marshal ernannt. War halt praktisch, wenn man neben seinen Beteiligungen an Spielhallen und Bordellen als "Familienbetrieb" auch gleich noch gemeinsam das örtliche Gesetz mit vertreten kann. In Tombstone wurden die Earp-Brüder jedenfalls nur "The Pimps" genannt. Eine landesweite Berühmtheit war Wyatt Earp zu Lebzeiten auch nicht. Sein später Ruhm beruht auf der 1929 erschienen Biografie "Wyatt Earp: Frontier Marshal" von Stuart N. Lake. Diese enthält allerdings mehr von Earp gegenüber Lake erzählte "Räuberpistolen" als tatsächliche Fakten. Earp wollte sich halt sein eigenes Denkmal setzen als "Der Mann, der den gesamten Westen im Alleingang gezähmt hat" .

Was ihm allerdings von Zeitgenossen, die ihn persönlich erlebt hatten, bescheinigt wurde, ist eine gewisse Kaltblütigkeit auch in brenzligen Situationen. Am nächsten dem "echten" Wyatt Earp" kommen könnte der von Harris Yulin verkörperte Earp in "Doc" (USA 1971; mit Stacy Keach u. Faye Dunaway). Hier ist er nicht gerade ein sympathischer Zeitgenosse und auch seine Geschäftemacherei in Tombstone wird hier mit thematisiert. In "Tombstone" wie auch in Costners Earp-Film erlagen die Macher halt am Ende auch wieder dem "Mythos Earp", auch wenn sie ihn nicht ganz so als alles überstrahlenden Saubermann darstellen, wie es zuvor jahrzehntelang üblich war.

Der Konflikt mit den Clantons u. McLaurys eskalierte auch nur aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich gegensätzlicher "Geschäftsinteressen", die natürlich auch nicht wirklich legal waren. Man hat jedenfalls einige Zeit lang ganz gut miteinander kooperiert , bis man sich irgendwann irgendwie gegenseitig ins Gehege kam. Um das alles aufzudröseln würde ich aber wirklich einige Seiten brauchen.

Das Wyatt Earp so hinter dem Amt des Sheriffs her war, hat auch nur mit Geld zu tun. Damals war "Sheriff" ja nicht wie heute ein polizeiliches Amt, sondern der oberste Verwaltungsposten eines Countys. Der Sheriff war z.B. für die Vergabe von Grund u. Boden, die Besteuerung von Liegenschaften und vor allem für das Eintreiben der Steuern zuständig. An diesen Einnahmen war ein Sheriff prozentual beteiligt. Earps Konkurrent um diesen Posten, John Behan, kam dadurch neben seinem normalen Gehalt in nur einem Jahr zu einem stattlichen Zusatzeinkommen von 40.000$. Kein Wunder also, dass Earp seine Niederlage bei der Wahl zum Sheriff seinem Widerpart Behan niemals verzeihen konnte. Ansonsten war ein Sheriff noch für die Durchführung von Hinrichtungen zuständig, sofern kein Henker verfügbar war. Das Einzige, was ein heutiger Sheriff mit dem von früher gemeinsamhat ist, dass dieser Posten auch heute noch ein Wahlamt ist. Ein Marshal wurde/wird von den zuständigen Organen ernannt, ein Sheriff von der Bevölkerung gewählt.

Ich breche hier jetzt aber ab, sonst wird´s zu viel des Guten (oder Schlechten).
avatar
0
2 Flimmerstube • 6:46 PM, 2019-03-26
Oh, Danke Berggeist, sehr interessant!
Es wird ja immer viel "romantisiert" und da kommt so manche Person besser bei weg...
Ich denke mal, deßhalb waren (und sind) Italowestern dann auch so populär, weil die Figuren eher dem wahren Bild der Zeit entsprachen, wo auch mal ein Held nicht "nur" gut ist... Oder man auch mal einem "Arschloch" durchaus was abgewinnen kann... ^^
avatar
0 Spam
3 berggeist1963 • 7:28 PM, 2019-03-26
Earps Witwe, die in den Filmen über die Zeit in Tombstone ebenfalls vorkommende Josephine Sarah "Sadie" Marcus, hat bei Dreharbeiten zu den ersten Earp-Filmen in den 1930-ern streng darüber gewacht, dass ihr inzwischen verblichener Gatte stets als strahlender Held dargestellt wurde. Die hat dabei immer dazwischen gefunkt und auch Regisseure rigoros zusammen gestaucht mit Sätzen wie "So was hätte Mr. Earp niemals gesagt!" oder "Das hätte Mr. Earp nie getan!".

Im Costner-Film wird am Ende, wo das Ehepaar Earp auf einem Schiff Richtung Alaska abdampft, die Legendenbildung schon angedeutet. Ein Jugendlicher erkennt Earp und erzählt, dass dieser in Dodge City mal seinen Onkel ganz allein vor einem Lynchmob beschützt hätte. Earp sagt dann sinngemäß: "Naja, ganz so ist das damals denn doch nicht gewesen.". Mrs. Earp daraufhin: "Doch, Wyatt, genau so ist es gewesen!".

Die ist übrigens steinalt geworden und erst 1944 gestorben. Erstaunlicherweise ist auch die über 10 Jahre ältere "Big Nose Kate", eigentlich Maria Katharina Horony (gebürtige Ungarin), die als "Kate Elder" als zwischenzeitliche Lebensgefährtin von Doc Holiday Berühmtheit erlangte, trotz ihres äußerst unsoliden Lebenswandels mit jahrelangem Alkoholismus u. starkem Nikotinkonsum sehr alt geworden und erst 1940 verstorben.  blahblah
avatar
0 Spam
4 berggeist1963 • 7:54 PM, 2019-03-26
John Ford hat in seinem "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" bereits dargestellt, wie der "alte Westen" durch Mythen u. Legenden verklärt wurde. Am Ende sagt der Zeitungsmensch in etwa: "Und wenn wir hundertmal die Wahrheit wüssten, so würden wir trotzdem immer nur die Legende drucken.". Und darum wird die von Senator Stoddard erzählte wahre Geschichte über die tatsächlichen Vorgänge in Shinbone eben nicht veröffentlicht.
avatar
0 Spam
5 berggeist1963 • 8:34 PM, 2019-03-26
Ja, Italo-Western waren auch wg. ihrer "Anti-Helden" so erfolgreich. Im Zuge dessen kamen ja in USA dann auch die entmythisierenden Spätwestern auf. Dazu gesellten sich dann auch noch die sog. "Anti-Western".

Ein beispielhafter Vertreter des "Anti-Western" ist "Dirty Little Billy" (dt. Titel "Dreckiger kleiner Billy") aus dem Jahr 1972 von Stan Dragoti. Hierin wird der Weg des jugendlichen "Billy The Kid" vor dem ihn zur Berühmtheit werden lassenden "Lincoln County War" erzählt. Billy wird in diesem Film von Michael J. Pollard (1968 Oscarnominierung als bester Nebendarsteller in "Bonnie & Clyde") als psychopathischer kleiner "Drecksack" dargestellt. Das Ganze düster, schmutzig u.teils auch recht brutal inszeniert. Ihr filmisches Debüt gaben in "Dirty Little Billy" übrigens Gary Busey sowie ein gewisser Nick Nolte, beide aber nur in kleineren Nebenrollen.

Die deutsch synchronisierte Fassung wurde lediglich dreimal bei uns im TV ausgestrahlt. Zuerst 1975 in der ARD, dann 1977 im 3.Programm des HR u. zuletzt 1983 im ZDF. Da hatte ich den dann auch gesehen. Leider wurde dieser Film hierzulande nie auf Video/DVD veröffentlicht. Genrefans hatten vor ca. 5 Jahren mal versucht, beim ZDF eine Kopie zu erwerben, allerdings hatten die kein kopierfähiges Material mehr. Tja, und die einzig verfügbare englischsprachige Originalfassung auf yt ist furchtbar verpixelt hochgeladen worden.*groll*.  angry
avatar