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Exzesse im Folterkeller (1979)

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Beschreibung des Materials:

Exzesse im Folterkeller (1979)

Der Sohn eines sadistischen Vergewaltigers, der eine Vorliebe für NS Symbolik und Konzentrationslager hat, entschließt sich eines Tages in seines Vaters Fußstapfen zu treten.

Alternativtitel:
Beautiful Girl Hunter
Entartun
Exzess
Star of David: Beauty Hunting
Star of David: Hunting for Beautiful Girls

Originaltitel: Dabide no hoshi: Bishôjo-gari
Herstellungsland: Japan
Erscheinungsjahr: 1979
Regie: Noribumi Suzuki

Darsteller:
Hiromi Namino
Natsuko Yashiro
Asami Ogawa
Shun Domon
Rei Okamoto
Yuka Asagiri
Hiroshi Nawa
Shôhei Yamamoto
Nagatoshi Sakamoto
Noboru Mitani
Bin Moritsuka
Akira Takahashi

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Kommentare insgesamt: 2
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1 martinberger663 • 0:38 AM, 2020-02-13 [Eintrag]
Eine Perle von Film aus Asien , ewig nach gesucht damals ... §131 8/10 wink
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2 martinberger663 • 9:38 AM, 2020-04-19 [Eintrag]

„Ich habe zuhause einen Vogel.“
„Was denn für einen?“
„Einen äußerst Seltenen. Aber er will einfach nicht gehorchen.“


Die Idee, Masaaki Satos Manga-Serie zu verfilmen, stammte von Noribumi Suzuki selbst. Dass er mit seinem Vorhaben einen Roman Porno drehen zu wollen, an die Produktionsfirma Nikkatsu herantrat, stieß dabei durchaus auf Kritik. Suzuki, eigentlich Aushängeschild der Toei und in jenen Jahren gerade sehr erfolgreich mit der „Torakku yarô“ Action-Serie mit Bunta Sugawara, hatte nach den immerhin 11 Filmen, die er für diese Filmreihe gedreht hatte aber anscheinend die Nase voll und wollte mal wieder etwas anderes drehen.

 

Kritik kam vor allem von den sich von diesem „Außenseiter“ von Toei bedroht fühlenden Stammregisseuren von Nikkatsu, allen voran Shogoro Nishimura („Female Teacher – Rope Hell“). Umso ironischer erscheint es, dass „Exzesse im Folterkeller“ bei seiner japanischen Kinopremiere im Doppelprogramm mit Nishimuras „Tokyo eros sen’ya ichi’ya“ startete. Die Reaktion des Publikums auf Noribumis Regiearbeit für Nikkatsu war positiv, allerdings auch nicht herausragend. Mitunter wurde der Film gar als zu langatmig empfunden, was möglicherweise an der für dieses Genre eher ungewöhnlichen Länge von rund 100 Kinominuten lag. Im Bereich des Pinku etwa sind eher kompakte 65 bis höchstens 85 Minuten üblich. Bei der Mehrheit dieser Art von Filmen ist die Lauflänge in der Mitte – als bei ca. 75 Minuten - angesiedelt.

 

Streit gab es mit dem ersten Drehbuch-Autor Atsushi Yamatoya, dessen Entwurf Suzuki zu philosophisch erschien, gerade wenn es um den Umgang mit Subthemen wie Nationalsozialismus oder Christentum ging – Suzuki schwebte ein reiner Unterhaltungsfilm vor. Na ja, jedenfalls was er so unter Unterhaltung versteht. So beschreibt der Produzent ihn als sehr netten Menschen, mit dem man sowohl gut diskutieren als auch einen Trinken konnte, aber als einen Menschen mit zwei Seiten: einer Heiligen und einer Vulgären. Und genau darum geht es in „Exzesse im Folterkeller“, um den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen im Menschen - und in Noribumi Suzuki selbst. Als sehr persönlich wird Suzukis Auswahl der Figuren beschrieben, etwa eine Schülerin, die sich als sehr erwachsen aufspielt, eine arrogante Sängerin etc., Figuren, die Suzuki in „Exzesse im Folterkeller“ zu demütigen gedachte. Und das geschieht ausgiebig.

 

Als weibliche Hauptdarstellerin brachte Suzuki die ehemalige Miss Japan Hiromi Namino mit, also auch keine Nikkatsu-Darstellerin und im Bereich des Films ein Neuling. Interessant ist es, in einer Nebenrolle Bunta Sugawara als Lastwagenfahrer zu erblicken, und ohne das jetzt nachprüfen zu wollen, behaupte ich jetzt mal dass es sich um dessen einzigen Auftritt in einem Roman Porno handeln dürfte. Aber er und Noribumi Suzuki kannten sich halt gut, nicht zuletzt wegen der „Torakku yarô“-Serie.

 

Ein Rätsel ist mir, wie es dieser Nikkatsu-Film mit immerhin 5 Kopien in deutsche Kinos geschafft hat. Ob Pinku oder Roman Porno, kaum eine Handvoll dieser Art von Filmen haben es je nach Deutschland geschafft, schon gar nicht in die Kinos. Viel mehr als Teruo Ishiis Tokugawa-Filme oder Yasuharu Hasebes „Die Nackten und die Bestien“ wäre mir kaum bekannt, und dann ausgerechnet „Exzesse im Folterkeller?“ Falls es die Absicht der Verleiher war, den deutschen Markt für diese Art von Film zu testen, hätte man besser eine Nummer kleiner angefangen und nicht gerade diesen sowohl inhaltlich als auch optisch äußerst harten Vertreter dieses Genres wählen sollen. Während die Kinofassung von einer Juristenkommission noch mit rund 80 Minuten freigegeben wurde, erfolgte nur zwei Jahre später die Beschlagnahme der Videokassette von Bavaria/Euro Video.

 

Lange genug gedrückt, meine Meinung: „Exzesse im Folterkeller“ ist ein inhaltlich recht niederträchtiger Film, und nicht nur das macht ihn so wundervoll. Noribumi Suzuki ist ein Profi, die Darsteller sind überzeugend, die Kameraarbeit kreativ, die Dekorationen und die Farbgebung sorgfältig, die Musik treibt einem die Tränen in die Augen, und...ich bin ein kleiner Perversling, ich weiß. Die Hauptfigur Tatsuya ist dabei so herrlich unberechenbar, die Eine tötet er, die Andere lässt er laufen, weitere treibt er in den Wahnsinn. Beim Thema Nationalsozialismus schockt er einen Mitschüler, indem er sich freilich nicht in die Opfer sondern in die Täter hineindenkt und doch, bei all seinen abartigen Experimenten, empfindet er doch so etwas wie Zuneigung, ausgerechnet für die doch recht einfältige Jugendfreundin Yumiko. Und selbst die hat ein düsteres Geheimnis.


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